Die Lage am Ausbildungsmarkt 2026
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) hat im Dezember 2025 Bilanz gezogen. Bis zum Stichtag 30. September 2025 wurden bundesweit rund 476.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen, 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Handwerk waren es 0,4 Prozent mehr, ein Plus von etwa 500 Verträgen. Das Handwerk hat sich also besser gehalten als Industrie und Handel. Dort sank die Zahl um 4,6 Prozent.
- Rund 54.400 Ausbildungsstellen blieben bundesweit unbesetzt. Das ist gut jede zehnte Stelle, die Betriebe angeboten haben (10,6 Prozent).
- Gleichzeitig hatten rund 84.400 junge Menschen noch keinen Platz gefunden und suchten weiter. Das ist der höchste Wert seit 2010.
- Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist um 25.300 auf rund 530.300 gesunken. Viele Betriebe bilden wegen der schwachen Wirtschaft weniger aus.
Freie Stellen und suchende Jugendliche gleichzeitig: Das ist kein Widerspruch. Oft passen Ort, Beruf oder Erwartungen nicht zusammen. Oft finden sich Betrieb und Bewerber einfach nicht. Für das Handwerk zeigt das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) eine lange Entwicklung. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge sank von gut 150.000 im Jahr 2011 auf rund 133.000 im Jahr 2025. Die Zahl der Lehrstellen, die am 30. September noch frei waren, stieg in dieser Zeit von gut 5.000 auf fast 22.000 (KOFA Kompakt 7/2026).
Dabei geht es den Gewerken sehr unterschiedlich. Laut KOFA gibt es seit Jahren mehr Bewerber und mehr Verträge in diesen Gewerken: Elektrotechnik, Sanitär, Heizung und Klima und Dachdeckerei. Im Metallbau, in der Tischlerei und in der Augenoptik spricht das KOFA dagegen von einer Ausbildungskrise. Wie viele Fachkräfte dahinter fehlen, steht im Ratgeber Fachkräftemangel im Handwerk.

Wo Jugendliche nach einer Lehrstelle suchen
Die Bertelsmann Stiftung und das Institut der deutschen Wirtschaft haben 2024 eine Umfrage gemacht. Befragt wurden gut 1.700 junge Menschen zwischen 14 und 25 Jahren und rund 900 Personalverantwortliche. Eine Frage war: In welchen sozialen Netzwerken suchen Jugendliche eine Ausbildung? Und wo informieren Betriebe darüber? Das Ergebnis zeigt, wo Betriebe die Jugendlichen nicht erreichen.
| Netzwerk | Jugendliche, die dort oft oder manchmal suchen | Betriebe, die dort über Lehrstellen informieren |
|---|---|---|
| 57,9 % | 75,6 % | |
| YouTube | 46,9 % | 18,0 % |
| 38,3 % | 20,9 % | |
| LinkedIn, Xing | 34,8 % | 41,0 % |
| TikTok | 30,4 % | 3,6 % |
| 25,4 % | 71,3 % | |
| Snapchat | 19,4 % | 3,4 % |
Was das heißt: Sieben von zehn Betrieben informieren auf Facebook über Lehrstellen. Aber nur jeder vierte Jugendliche sucht dort. Auf YouTube ist es umgekehrt. Fast die Hälfte der Jugendlichen sucht dort, aber nicht einmal jeder fünfte Betrieb ist da. Auch TikTok und WhatsApp nutzen deutlich mehr Jugendliche als Betriebe. Jüngere Schüler suchen eher über YouTube, TikTok und Snapchat. Ältere suchen eher über LinkedIn und Facebook.
Soziale Netzwerke sind aber nur ein Teil. Neun von zehn Jugendlichen suchen zumindest ab und zu über Stellenanzeigen im Netz. Zwei Drittel suchen über die Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Auch die Zeitung zählt noch. 55,5 Prozent der Jugendlichen suchen über Anzeigen in der Zeitung oder Aushänge am schwarzen Brett. Aber nur 42,4 Prozent der Betriebe nutzen diesen Weg noch. Jugendliche mit niedrigerem Schulabschluss suchen öfter über Zeitung und Arbeitsagentur. Jugendliche mit höherem Abschluss suchen eher im Netz. Am hilfreichsten bei der Berufswahl sind laut Studie aber Praktika und der Rat der Familie.
Zehn Wege zu mehr Bewerbungen für Lehrstellen
Kein Weg allein reicht für eine Lehrstelle. Nutze mehrere gleichzeitig. Und fang früh an, am besten ein Jahr vor Ausbildungsbeginn.
- Praktika anbieten, viele und gute. Für neun von zehn Jugendlichen sind Praktika und Betriebsbesichtigungen bei der Berufswahl wichtig (Bertelsmann Stiftung, IW). Ein gutes Praktikum heißt: fester Ansprechpartner, echte Aufgaben, mit auf die Baustelle. Am Ende steht ein Gespräch über die Ausbildung.
- Mit Schulen zusammenarbeiten. Halte festen Kontakt zu ein oder zwei Schulen in deiner Nähe. Biete Betriebsbesuche, Bewerbungstraining und Plätze für die Pflichtpraktika an. Ausbildungsbotschafter im Unterricht, Messen und Zusammenarbeit mit Schulen sind rund drei Vierteln der Jugendlichen wichtig.
- Deine Azubis zurück in ihre alte Schule schicken. Ein Lehrling im zweiten Jahr erzählt Neuntklässlern von seinem Alltag. Das glauben sie ihm eher als jedem Chef.
- Lehrstelle bei Arbeitsagentur und Kammer melden. Zwei Drittel der Jugendlichen nutzen die Vermittlung der Bundesagentur für Arbeit bei der Suche. Melde die Stelle dort und in der Lehrstellenbörse deiner Handwerkskammer. Häng zusätzlich einen Aushang auf, wo Jugendliche aus deinem Ort vorbeikommen.
- Auf Ausbildungsmessen gehen. Stell dich lieber mit einem Azubi und einem Werkstück an den Stand als mit einem teuren Prospekt. Lass Jugendliche etwas selbst machen: eine Schaltung, eine Lötstelle, ein Werkstück.
- Kurze Videos auf Instagram und YouTube. Dein Azubi zeigt seinen Tag, eine Baustelle, ein fertiges Bad, eine Prüfungsaufgabe. Echt statt gestellt. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
- Bewerbung so einfach wie möglich. Ohne Anschreiben, per WhatsApp oder mit einem kurzen Formular. Ein Anruf reicht als erster Schritt. Wer drei Unterlagen verlangt, bekommt weniger Bewerbungen.
- Eltern ansprechen. Mach einen Tag der offenen Werkstatt für Familien oder einen Infoabend in der Schule. Eltern entscheiden mit. Viele wissen nicht, was ein Anlagenmechaniker oder Elektroniker heute lernt und verdient.
- Kunden, Vereine und dein Team fragen. Der Sohn des Kunden, die Tochter aus dem Fußballverein, der Neffe des Gesellen. Sag allen, dass du einen Azubi suchst und für welchen Beruf.
- Nicht nur an Schulabgänger denken. Denk auch an Studienabbrecher, Abiturienten und junge Leute, die eine andere Ausbildung abgebrochen haben. Und an Umsteiger aus anderen Berufen. Diese Bewerber sind oft entschiedener. Sie wissen, was sie nicht wollen.
Gute Ausbildung ist dein stärkstes Argument
Was Jugendliche bei der Lehrstelle wollen, deckt sich oft mit dem, was Betriebe denken. Aber nicht überall. Neun von zehn Jugendlichen sind ein gutes Betriebsklima und ein wertschätzender Umgang sehr oder eher wichtig. Vier von fünf wollen nach der Ausbildung übernommen werden und einen sicheren Arbeitsplatz haben. Bei der Vergütung gehen die Meinungen auseinander. Mehr als drei Viertel der Jugendlichen halten eine hohe Ausbildungsvergütung für wichtig, aber nur die Hälfte der Betriebe. Zusatzleistungen wie Fahrtkostenzuschuss oder Diensthandy sind fast drei Vierteln der Jugendlichen wichtig. Bei den Betrieben ist es nur gut die Hälfte.
- Übernahme zusagen. Wenn du jeden guten Azubi übernehmen willst, sag es in der Anzeige und im Gespräch.
- Einen festen Ausbilder benennen, der Zeit hat. Nicht den, der gerade da ist.
- Vergütung offen nennen. Es gibt eine gesetzliche Mindestvergütung. Sie wird jedes Jahr neu festgesetzt und steigt mit jedem Ausbildungsjahr (§ 17 BBiG). Tarifverträge können mehr vorsehen. Wer mehr zahlt, sollte es sagen. Das ist keine Rechtsberatung.
- Prüfungsvorbereitung ernst nehmen. Nimm dir einen Nachmittag im Monat für Prüfungsstücke und Fragen aus der Berufsschule. Das zeigt, dass dir der Abschluss wichtig ist.
- Den Weg danach zeigen. Geselle, Obermonteur, Meister, Kundendienst. Laut Studie wollen Jugendliche auch nach der Ausbildung weiterkommen. Wer das vorher sagt, hat ein Argument mehr.
- Kleine Zusatzleistungen. Zuschuss zum Führerschein, zum Monatsticket oder zum Werkzeug. Das kostet wenig, und Jugendliche merken es.
Gute Ausbildung spricht sich herum
Die beste Werbung für deine nächste Lehrstelle ist dein jetziger Azubi. Erzählt er in der Berufsschule, dass er bei dir etwas lernt und ernst genommen wird? Dann kommen die Bewerbungen von allein. Erzählt er, dass er nur fegt, spricht sich das genauso herum.
Ausbildung wirkt erst in drei Jahren. Fehlt dir heute schon der Geselle oder der Meister, helfen andere Wege. Einen Überblick gibt der Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk. Für Fachkraftstellen fragst du bei uns kostenlos und unverbindlich an: Jetzt Mitarbeiter finden.
Häufige Fragen
Wann sollte ich anfangen, einen Azubi für das nächste Jahr zu suchen?
Am besten rund ein Jahr vor Ausbildungsbeginn. Über Praktika lernen Jugendliche einen Beruf am besten kennen. Die liegen meist lange vor der Entscheidung. Wer spät anfängt, erreicht vor allem die, die woanders keine Zusage haben.
Lohnt sich Werbung auf TikTok für einen kleinen Betrieb?
Laut Studie von Bertelsmann Stiftung und IW suchen 30,4 Prozent der Jugendlichen auch über TikTok eine Ausbildung. Aber nur 3,6 Prozent der Betriebe informieren dort. Mit echten Videos aus der Werkstatt hast du dort wenig Konkurrenz. Fehlt dir die Zeit, fang mit Instagram und YouTube an.
Wir hatten letztes Jahr keine einzige Bewerbung. Was mache ich falsch?
Meist liegt es nicht am Betrieb. Meist findet dich einfach niemand. Prüf drei Dinge: Ist die Lehrstelle bei Arbeitsagentur und Kammer gemeldet? Bietest du Praktika an? Kennt dich eine Schule in deiner Nähe?
Lohnt sich Ausbildung, wenn die Azubis danach gehen?
Ob jemand bleibt, hängt oft am Betriebsklima. Und daran, ob es nach der Prüfung weitergeht. Vier von fünf Jugendlichen ist die Übernahme wichtig. Sag früh, dass du übernehmen willst und was danach möglich ist.
Quellen
Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.
- Bundesinstitut für Berufsbildung, Pressemitteilung 40/2025: Angespannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt, Stand 10.12.2025
- Bertelsmann Stiftung und Institut der deutschen Wirtschaft: Vom Mismatch zum Match. Wie sich Jugendliche und Unternehmen auf dem Ausbildungsmarkt suchen und finden (können), Stand 08/2024
- KOFA Kompakt 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk. Ausbildung zwischen Krise und Renaissance (Institut der deutschen Wirtschaft), Stand 06/2026
- Berufsbildungsgesetz § 17: Vergütungsanspruch und Mindestvergütung, Stand 13.10.2026


Was in sozialen Netzwerken bei Azubis wirkt
Du musst kein Filmemacher sein. Jugendliche merken sofort, ob ein Video von einer Agentur kommt oder aus deiner Werkstatt. Echte Videos kommen besser an.
Bei Azubis wirkt die Ansprache über soziale Netzwerke anders als bei erfahrenen Fachkräften. Jugendliche suchen selbst nach einer Lehrstelle. Ein Geselle mit fester Stelle sucht gar nicht. Wie du Fachkräfte ansprichst, die nicht suchen, steht auf der Seite Social Recruiting für Handwerksbetriebe.