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Fachkräftemangel im Handwerk 2026: Zahlen, Gewerke, Auswege

Du merkst den Mangel an der Auftragsliste, nicht an der Statistik. Trotzdem lohnt der Blick auf die Zahlen. Sie zeigen, in welchen Gewerken es dauerhaft eng bleibt. Und sie zeigen, warum Abwarten nicht hilft.

Fachlich geprüft von Jan-Luka Koch und Sascha Kruse, Strategieberatung
Stand

Die Lage in Zahlen

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) gehört zum Institut der deutschen Wirtschaft. Es rechnet jedes Jahr nach, wie viele offene Stellen sich mit den vorhandenen Arbeitslosen nicht besetzen lassen. Für 2025 kommt es im Handwerk auf 209.444 offene Stellen und 139.239 arbeitslose Handwerker. Wer nur diese beiden Zahlen vergleicht, unterschätzt die Lücke. Denn ein arbeitsloser Augenoptiker hilft keinem Dachdeckerbetrieb. Rechnet man passend nach Beruf, bleiben 97.482 Stellen, für die es bundesweit niemanden gab. Das ist fast jede zweite offene Stelle im Handwerk.

Bemerkenswert ist der Vergleich mit dem Rest der Wirtschaft. Über alle Berufe gab es 2025 im Durchschnitt mehr qualifizierte Arbeitslose als offene Stellen. Die Fachkräftelücke ist dort um 24,1 Prozent geschrumpft. Im Handwerk ging sie nur um 9,5 Prozent zurück. Die schwache Konjunktur hat den Mangel also gedämpft, aber nicht beendet.

  • 59 von 115 Handwerksberufen waren 2025 Engpassberufe, also mehr als jeder zweite (KOFA).
  • In 35 davon fehlen seit mindestens zehn Jahren Leute. Das liegt nicht an der Konjunktur, das ist der Normalzustand.
  • Knapp die Hälfte aller Engpassberufe auf Fachkraftebene in ganz Deutschland sind Handwerksberufe (Bundesagentur für Arbeit, September 2026).
  • Bei Meistern ist es noch enger als bei Gesellen. Fast jede zweite offene Meisterstelle ließ sich rechnerisch nicht besetzen. Bei Gesellen waren es drei von zehn (KOFA).

Und das ist nur der Teil, den die Statistik sieht. Bei der Arbeitsagentur waren 2025 im Jahresdurchschnitt 123.000 offene Stellen für Handwerksberufe gemeldet. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks geht von rund 200.000 offenen Stellen im Gesamthandwerk aus. Der Abstand ist kein Widerspruch. Viele Betriebe melden ihre Stellen gar nicht erst. Das KOFA rechnet deshalb mit Meldequoten zwischen 30 und 60 Prozent hoch. Anders gesagt: Nur drei bis sechs von zehn offenen Stellen landen überhaupt bei der Arbeitsagentur. Die tatsächliche Zahl liegt deutlich höher.

Montageteam auf dem Weg zur Baustelle

Welche Gewerke am stärksten betroffen sind

Die Bundesagentur für Arbeit bewertet jeden Beruf einmal im Jahr auf einer Skala bis 3. Ab 2,0 gilt er als Engpassberuf. Zwischen 1,5 und 2,0 steht er unter Beobachtung, darunter herrscht kein Engpass. In die Bewertung fließen sechs Kennzahlen ein. Dazu gehört, wie lange Stellen offen bleiben und wie viele Arbeitsuchende auf eine Stelle kommen. Für die Gewerke, die wir besetzen, sieht das so aus:

Engpass nach Gewerk: Bewertung der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfte, 2025
Gewerk (Berufsuntergruppe)EngpasswertWas das heißt
Elektro (2621 Bauelektrik)2,7Engpassberuf, einer der höchsten Werte überhaupt
Kfz (2521 Kraftfahrzeugtechnik)2,5Engpassberuf, durchgehend seit 2019
Metallbau (2441 Metallbau)2,0Engpassberuf, genau auf der Schwelle, 2024 noch 2,2
Bauleitung (3119 Aufsicht in der Bauplanung, Experten)2,0Engpassberuf
Instandhaltung (2513 Wartung und Instandhaltung)1,8unter Beobachtung, 2023 und 2024 noch Engpassberuf
Maler (3321 Maler- und Lackiererarbeiten)1,5unter Beobachtung, trotzdem 101 Tage Vakanz
Galabau (1214 Garten- und Landschaftsbau)Engpassberufseit mindestens 2019 in jedem Jahr
Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse, Anforderungsniveau Fachkräfte (Bauleitung: Experten), Stand 12/2025; Bauleitung nach Blickpunkt Arbeitsmarkt, Tabelle 9, Stand 05/2026

Die Bewertung sagt, wie eng der Markt ist. Wie viele Leute fehlen, zeigt die Rechnung des KOFA. Dort führen dieselben Bauberufe die Liste an. Die Bauelektrik gilt als Schlüsselberuf der Energiewende. Dort ließen sich 2025 mehr als sieben von zehn offenen Stellen rechnerisch nicht besetzen.

Handwerksberufe mit der größten Fachkräftelücke auf Gesellenebene, 2025
BerufFehlende Fachkräfte
Bauelektrik16.270
Kraftfahrzeugtechnik13.327
Sanitär, Heizung, Klimatechnik10.941
Metallbau6.513
Verkauf von Fleischwaren4.665
KOFA Kompakt 7/2026, Abbildung 3, IW-Fachkräftedatenbank auf Basis von Sonderauswertungen der BA und des IAB, Jahresdurchschnitt 2025, Stand 06/2026

Auf Meisterebene fehlen am meisten Leute in der Aufsicht über Sanitär, Heizung und Klima (1.525). Danach folgen Hochbau (1.194) und Tiefbau (1.190). Die Dachdeckerei gehört nach dem KOFA ebenfalls zu den Berufen mit dem größten Engpass. Sie ist seit spätestens 2017 ohne Unterbrechung betroffen. Insgesamt fehlten 2025 in 15 Handwerksberufen jeweils mehr als 1.000 Fachkräfte. In zwölf davon ist die Lücke heute größer als 2016.

Lesehilfe

Ein niedriger Engpasswert heißt nicht, dass du schnell jemanden findest. Der Malerberuf steht bei 1,5 und ist damit offiziell kein Engpassberuf. Eine gemeldete Malerstelle bleibt trotzdem in der Mitte 101 Tage über den gewünschten Starttermin hinaus offen. Wie lange es in deinem Gewerk dauert, steht im Ratgeber zur Dauer der Stellenbesetzung.

Warum sich die Lücke nicht von allein schließt

Viele Inhaber hoffen, dass die nächste Flaute die Herausforderung löst. 2025 war so eine Flaute. Trotzdem ist die Lücke im Handwerk kaum kleiner geworden. Drei Gründe sprechen dafür, dass das so bleibt.

Erstens das Alter. Rund 718.000 Beschäftigte im Handwerk sind zwischen 55 und 65 Jahre alt und gehen in den kommenden Jahren in Rente. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge ist zuletzt leicht gestiegen. Nach Einschätzung der Bundesagentur reicht das aber nicht, um diese Abgänge auszugleichen. Die Beschäftigung im Handwerk ist in fünf Jahren um vier Prozent geschrumpft. In der Gesamtwirtschaft ist sie im selben Zeitraum um fünf Prozent gewachsen.

Zweitens die Ausbildung. Hier ist das Bild gemischter, als es oft heißt. Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Handwerk sank von gut 150.000 im Jahr 2011 auf rund 133.000 im Jahr 2025. Gleichzeitig stieg die Zahl der Lehrstellen, die am 30. September noch frei waren, von gut 5.000 auf fast 22.000. Anders in der Bauelektrik, bei Sanitär, Heizung und Klima und in der Dachdeckerei. Dort kommen seit Jahren mehr Bewerber und mehr Verträge zustande. Dort liegt der Mangel nicht am Ruf des Berufs. Der Bedarf wächst einfach schneller als der Nachwuchs. In drei Bereichen spricht das KOFA dagegen von einer Ausbildungskrise. Das sind der Metallbau, die Augenoptik und der Holz-, Möbel- und Innenausbau, also die Tischler. Im Metallbau ist die Lücke seit 2016 um rund 50 Prozent gewachsen.

Drittens der Wettbewerb um dieselben Leute. Wer eine Ausbildung im Handwerk gemacht hat, ist auch in der Industrie gefragt. Wie knapp der Abstand beim Geld manchmal ist, zeigt die Tischlerei. In Industriebetrieben verdient ein Tischler in der Mitte 158 Euro im Monat mehr als im Baugewerbe. Dort sind die meisten Tischlereien eingeordnet (Entgeltatlas, Stand 12/2025). Das ist wenig, und trotzdem gehen Leute. Am Geld allein kann es bei diesem Abstand kaum liegen. Schau deshalb auf Arbeitszeit, Fahrwege und Entwicklung. Mehr dazu steht auf der Seite zur Tischlerei.

Was der Mangel für deinen Betrieb bedeutet

Für einen einzelnen Betrieb zeigt sich die Lücke nicht als Prozentzahl, sondern an drei Stellen im Alltag.

  • Aufträge: Du nimmst weniger an, als du könntest. Oder du schiebst sie so weit, dass der Kunde abspringt. Jede Absage ist Umsatz, den ein anderer Betrieb macht.
  • Überstunden: Die Arbeit verteilt sich auf die, die noch da sind. Das geht ein paar Monate gut. Danach steigen die Krankmeldungen, und die Stimmung wird schlecht.
  • Kündigungen: Wer dauerhaft an der Grenze arbeitet, hört sich um. Seine Fähigkeiten sind gesucht, also findet er schnell etwas. Aus einer offenen Stelle werden dann zwei.

Dazu kommt ein Punkt, den viele Inhaber unterschätzen. Je länger eine Stelle offen ist, desto mehr Arbeit bleibt beim Chef selbst hängen. Wer abends die Baustelle fertig macht, hat keine Zeit für die Suche. So bleibt eine Stelle statt drei Monaten neun Monate offen.

Was Betriebe tun, die trotzdem Leute finden

Die Zahlen sagen auch etwas Ermutigendes: Die Fachkräfte gibt es. Sie arbeiten nur schon, meistens bei einem anderen Betrieb, in der Industrie oder im Nachbarort. Wer heute einstellt, holt Leute, die gerade nicht suchen. Betriebe, denen das gelingt, machen ein paar Dinge anders.

  1. Sie warten nicht auf Bewerbungen. Sie sprechen Fachkräfte direkt an, dort, wo diese ihre Zeit verbringen. Wie das über soziale Netzwerke funktioniert, erklärt die Seite zum Social Recruiting.
  2. Sie suchen regional. Ein Monteur wechselt selten für einen längeren Weg. Wer im eigenen Umkreis sucht, hat ein Argument, das kein Konzern in der Stadt hat.
  3. Sie sagen ehrlich, wie die Stelle aussieht: Arbeitszeit, Fahrwege, Wagen, Rufbereitschaft, Gehaltsrahmen. Wer das vorher weiß, sagt zu und bleibt.
  4. Sie antworten schnell. Eine Fachkraft, die sich meldet, hat meist noch andere Angebote. Rufst du erst nach einer Woche zurück, hat sie oft schon woanders unterschrieben.
  5. Sie bilden aus und halten ihre Leute. Ausbildung wirkt erst in drei Jahren, aber sie wirkt. Und jeder Geselle, der bleibt, ist eine Stelle, die du nicht besetzen musst.

Welche Wege es insgesamt gibt, was sie kosten und wo ihre Grenzen liegen, steht im Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk.

Genau diesen Teil übernimmt Rheinwerk Personal für Handwerks- und Technikbetriebe. Wir sprechen Fachkräfte an, die nicht aktiv suchen, im Umkreis deines Betriebs und in deinem Namen. Du lernst nur Leute kennen, die zur Stelle passen. Sehen wir in deiner Region kein Potenzial, sagen wir dir das auch. Was die Personalsuche kostet und wovon es abhängt, steht unter Kosten. Frag kostenlos und unverbindlich an: Jetzt Mitarbeiter finden.

Häufige Fragen

Die Konjunktur ist schwach. Wird es nicht bald wieder leichter?

2025 war ein schwaches Jahr. Trotzdem ist die Fachkräftelücke im Handwerk nur um 9,5 Prozent geschrumpft, in der Gesamtwirtschaft um 24,1 Prozent. In 35 Handwerksberufen fehlen seit mindestens zehn Jahren Leute, in guten wie in schlechten Jahren. Dazu gehen bald rund 718.000 Beschäftigte zwischen 55 und 65 in Rente, Abwarten kostet dich also vor allem Zeit.

Woher kommen die Zahlen, und wie verlässlich sind sie?

Die Engpasswerte stammen aus der jährlichen Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Die Lücke je Beruf stammt aus der Fachkräftedatenbank des KOFA beim Institut der deutschen Wirtschaft. Beide rechnen mit gemeldeten Stellen und rechnen hoch. Viele Betriebe melden ihre Stellen gar nicht, deshalb liegt die tatsächliche Zahl eher höher.

In meinem Gewerk ist laut Statistik kein Engpass. Warum finde ich trotzdem niemanden?

Die Statistik misst ganz Deutschland, du suchst in deinem Umkreis. Ein Wert unter 2,0 kann heißen, dass es in einer anderen Region genug Leute gibt. Ob sie deine Anzeige je sehen, sagt er nicht. Beim Maler etwa gibt es offiziell keinen Engpass, trotzdem bleibt eine gemeldete Stelle in der Mitte 101 Tage offen.

Lohnt es sich noch auszubilden, wenn die Azubis nach der Lehre gehen?

Ja, sonst hast du in drei Jahren gar keinen Gesellen. In Gewerken wie Elektro, SHK und Dach steigt die Zahl der Bewerber um Lehrstellen seit Jahren. Ob die Leute nach der Prüfung bleiben, hängt weniger am Gehalt. Es hängt daran, ob sie eine Zukunft sehen: eigene Baustellen, Weiterbildung, ein Weg zum Meister.

Quellen

Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.

  1. KOFA Kompakt 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk. Ausbildung zwischen Krise und Renaissance (Lydia Malin), Stand 06/2026
  2. Bundesagentur für Arbeit, Presseinfo Nr. 34: Fachkräfte im Handwerk knapp, Stand 14.09.2026
  3. Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse (Engpasswerte je Berufsuntergruppe, Bewertungsskala), Stand 12/2025
  4. Zentralverband des Deutschen Handwerks, Interview mit Generalsekretär Holger Schwannecke: Berufliche Bildung stärken, um Fachkräftebedarf zu sichern, Stand 03.11.2025
  5. Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas (Tischler in Industrie und Handwerk), Stand 12/2025

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