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Team macht gemeinsam Pause am Tisch in der Werkstatt

Ratgeber · Personal halten

Mitarbeiterbindung im Handwerk: Warum Leute gehen und was sie hält

Jeder Geselle, der bleibt, ist eine Stelle, die du nicht neu besetzen musst. Hier liest du, warum gute Leute gehen. Du siehst, was du selbst dagegen tun kannst. Und du erfährst, woran du merkst, dass jemand schon ans Kündigen denkt.

Fachlich geprüft von Jan-Luka Koch und Sascha Kruse, Strategieberatung
Stand

Warum Handwerker kündigen

Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Sommer 2024 eine Umfrage für das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) gemacht. Befragt wurden 812 Personalverantwortliche aus allen Branchen. 90,7 Prozent stimmten dem Satz zu: „Beschäftigte haben heute höhere Ansprüche an Arbeitgeber als früher.“ Neun von zehn Betrieben sehen also dasselbe wie du. Wer heute unzufrieden ist, bleibt nicht mehr aus Gewohnheit. Er geht, weil er weiß, dass er woanders gebraucht wird.

Im Handwerk gilt das doppelt. In Gewerken wie Elektro, Sanitär, Heizung und Klima oder Kfz fehlen seit Jahren Fachkräfte. Das zeigen die Zahlen im Ratgeber Fachkräftemangel im Handwerk. Ein guter Monteur, der sich umhört, hat nach einer Woche zwei Angebote. Wechseln kann er also. Die Frage ist, ob er einen Grund dazu hat.

Was wir in Gesprächen mit Fachkräften hören

Wir sprechen laufend mit Handwerkern, die gerade nicht suchen. Denken sie über einen Wechsel nach, nennen sie immer wieder dieselben Gründe. Eine Rangfolge mit Zahlen haben wir dazu nicht. Aber die Liste unten hören wir in fast jedem Gewerk.

  • Der Weg zur Baustelle. Zwei Stunden Fahrt am Tag sind zwei Stunden weniger Feierabend. Wer jede Woche auswärts schläft, rechnet irgendwann nach, was ihm die Montage bringt.
  • Planung, die nicht hält. Material fehlt, das Gewerk davor ist nicht fertig, drei Baustellen am selben Tag. Warten macht mehr Leute mürbe als jede Lohnfrage.
  • Notdienst und Samstage, die keiner vorher kennt. Bereitschaft gehört in vielen Gewerken dazu. Kommt sie ohne Ansage und ist ungleich verteilt, wird sie zum Kündigungsgrund.
  • Werkzeug und Fahrzeug. Ein leerer Wagen, das Messgerät von vor zehn Jahren, die Maschine, die dauernd steht. Das merkt jeder am ersten Tag und an jedem Tag danach.
  • Kein nächster Schritt. Vom Gesellen zum Obermonteur, zum Polier, zur Werkstattleitung oder in die Meisterschule. Sieht jemand diesen Weg bei dir nicht, sucht er ihn woanders.
  • Ein Team, das ständig wechselt. Wo alle paar Monate jemand geht, gehen die anderen bald hinterher. Wechselt der Vorarbeiter, wechselt oft die halbe Kolonne mit.
  • Sicherheit, über die man diskutieren muss. Gerüst, Absturzsicherung, Verbau. Wer darum bitten muss, denkt oft schon an einen Wechsel.
  • Der Winter. Wer im Januar Kurzarbeit fürchtet, sieht sich im Herbst um. Sag vorher, wie dein Betrieb durch den Winter kommt. Dann fällt dieser Grund weg.

Auffällig ist, was in dieser Liste fehlt: Geld steht selten allein an erster Stelle. Es spielt mit. Wer deutlich unter dem Lohn der Region zahlt, verliert seine Leute sowieso. Nach dem, was wir hören, beginnt ein Wechsel oft mit Ärger im Alltag. Erst dann wird das Angebot vom Nachbarbetrieb interessant.

Kollegin und Kollege im Gespräch vor dem Baucontainer

Fünf Dinge, die deine Leute halten

Die KOFA-Befragung zeigt auch, was Betriebe tun, um Leute zu halten. Und was davon aus ihrer Sicht besonders gut wirkt. Die Zahlen gelten für Unternehmen aller Branchen, nicht nur für das Handwerk. Arbeit von zu Hause hilft auf der Baustelle wenig. Aber die Richtung ist eindeutig.

Was Betriebe zur Mitarbeiterbindung tun und was sie für besonders erfolgreich halten
MaßnahmeSo viele Betriebe nutzen sieSo viele davon halten sie für besonders erfolgreich
Vertrauensvolle Führung90,6 %69,5 %
Flexible Arbeitszeiten70,5 %68,3 %
Mobiles Arbeiten, Homeoffice55,9 %54,9 %
Mitarbeiter bei Veränderungen einbinden84,8 %47,4 %
Mitarbeitergespräche82,0 %39,8 %
Weiterbildung78,7 %29,7 %
Hilfe bei Kinderbetreuung und Pflege37,3 %27,1 %
KOFA Studie 4/2025, Abbildung 6, IW-Personalpanel Welle 36, n = 812 Unternehmen aller Branchen, Befragung Juni bis August 2024

So liest du die Tabelle: Fast jeder Betrieb sagt von sich, gut zu führen. Sieben von zehn davon halten das für besonders wirksam. Weiterbildung bieten acht von zehn an. Aber nur drei von zehn merken eine starke Wirkung. Laut Studie liegt das oft daran, dass Weiterbildung angeboten, aber nicht geplant wird. Nur 45,4 Prozent der Betriebe haben klare Entwicklungswege für ihre Leute.

  1. Geld. Mit gutem Lohn allein hältst du niemanden. Mit schlechtem Lohn verlierst du aber sicher Leute. Prüf einmal im Jahr, was dein Beruf in deiner Region in der Mitte verdient. Wie du das nachschlägst, steht im Ratgeber Gehälter im Handwerk und im Glossar unter Entgeltatlas. Sag deinen Leuten auch, was neben dem Lohn dazugehört: Wagen zum Mitnehmen, Zuschläge, Prämien.
  2. Führung. Ein Chef, der Wort hält, Fehler unter vier Augen bespricht und Lob nicht vergisst. Das klingt einfach. In der Befragung halten Betriebe genau das am häufigsten für besonders erfolgreich.
  3. Planbarkeit. Wer am Freitag weiß, wo er am Montag ist, bleibt. Dazu gehören ein Notdienstplan fürs ganze Quartal und Material am Vortag im Wagen. Und Baustellen in Fahrweite, wo es geht. Auf der Baustelle ist das so wichtig wie flexible Arbeitszeit im Büro.
  4. Ausrüstung. Ordentlicher Wagen, eigenes Werkzeug, Maschinen, die laufen. Im Ausbau schont eine Maschine den Rücken. Im Kfz-Betrieb zählt die eigene Hebebühne statt der geteilten. Gutes Gerät sieht jeder Mitarbeiter jeden Tag.
  5. Entwicklung. Hochvolt-Schein in der Werkstatt, Kälteschein und Wärmepumpe im SHK-Betrieb. Photovoltaik und Speicher in der Elektrotechnik, Meisterschule für den, der will. Wichtig ist, dass du sagst, was danach kommt: eine eigene Kolonne, der Kundendienst, die Bauleitung.

Was kleine Betriebe sofort tun können

Laut KOFA-Studie hängt es nicht an der Größe des Betriebs, ob Leute bleiben. Kleine Betriebe haben kurze Wege zum Chef und entscheiden schnell. Diese zehn Dinge kosten wenig und wirken innerhalb von Wochen.

  1. Wochenplan bis Freitagmittag raus, für jeden. Änderungen mit Grund, nicht per Zuruf.
  2. Notdienst und Samstage für drei Monate im Voraus verteilen und aushängen. Tauschen ist erlaubt, die Bezahlung ist vorher klar.
  3. Material für den nächsten Tag liegt am Abend bereit. Wer das Lager macht, ist geregelt.
  4. Ein festes Budget für Werkzeug, über das deine Leute selbst entscheiden. Wer sein Werkzeug aussucht, pflegt es auch.
  5. Kolonnen nur trennen, wenn es wirklich nicht anders geht.
  6. Einmal im Jahr ein Gespräch mit jedem, 30 Minuten, nicht auf der Baustelle. Wie das geht, steht im nächsten Abschnitt.
  7. Für jeden einen nächsten Schritt aufschreiben, auch wenn er zwei Jahre weg ist.
  8. Den Winter vorher ansagen: Gibt es Aufträge drinnen, Wartung, Urlaub am Stück? Wer es im Oktober weiß, sucht nicht im November.
  9. Fehler unter vier Augen, Lob vor dem Team.
  10. Neue Leute ordentlich einarbeiten. Wer in den ersten Wochen allein bleibt, geht oft noch in der Probezeit. Wie die ersten 100 Tage laufen sollten, steht im Ratgeber Onboarding im Handwerk.

So bringen Mitarbeitergespräche etwas

82,0 Prozent der Betriebe in der KOFA-Befragung führen Mitarbeitergespräche. 2020 waren es noch 74,6 Prozent. Aber nur vier von zehn halten sie für besonders wirksam. Der Unterschied liegt meistens im Gespräch selbst. Kurz nebenbei auf dem Hof erfährst du nichts. Nimm dir einmal im Jahr eine halbe Stunde für deinen Monteur, ohne Telefon. Dann erfährst du Dinge, die sonst erst in der Kündigung stehen.

  • Was läuft gerade gut, was soll so bleiben?
  • Was nervt dich im Alltag am meisten? Fahrwege, Planung, Material, Werkzeug, Kollegen?
  • Wo willst du in zwei Jahren stehen? Was brauchst du dafür von mir?
  • Gibt es etwas privat, das wir bei der Planung berücksichtigen sollten? Kinder, Pflege, Pendeln?
  • Was würdest du an meiner Stelle als Erstes ändern?

Die wichtigste Regel

Schreib auf, was du mit ihm vereinbarst. Setz mindestens eine Sache davon innerhalb von vier Wochen um. Ein Gespräch, aus dem nichts folgt, ist schlimmer als keins. Beim nächsten Mal sagt dir dann keiner mehr, was ihn stört.

Wenn jemand schon kündigen will

Die Kündigung kommt selten ohne Vorzeichen. Typische Zeichen: Jemand macht keine Vorschläge mehr. Er nimmt plötzlich einzelne Urlaubstage oder ist öfter kurz krank. Er fragt nach Zeugnis oder Weiterbildungsnachweisen. Merkst du das, warte nicht, bis die Kündigung kommt.

  1. Direkt fragen. „Ich habe den Eindruck, dich stört etwas. Was ist los?“ Unter vier Augen, ohne Vorwurf.
  2. Zuhören, nicht verhandeln. Erst verstehen, warum. Oft ist es etwas anderes, als du vermutest.
  3. Ehrlich sagen, was geht. Wenn du den Notdienst anders verteilen kannst, sag es. Wenn nicht, sag das auch.
  4. Mit Geld allein halten? War der eigentliche Grund ein anderer, hält ein höherer Lohn oft nur ein paar Monate. Es wirkt, wenn das Geld wirklich der Grund war.

Ist die Kündigung da, wird die Zeit knapp. Die Grundfrist für Arbeitnehmer beträgt vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Monats (§ 622 Abs. 1 BGB). Das gilt, wenn Arbeits- oder Tarifvertrag nichts anderes regeln. Was das für die Planung heißt, steht im Glossar unter Kündigungsfrist. Führ trotzdem ein ruhiges Abschlussgespräch. Frag, was am Ende den Ausschlag gegeben hat. Die Antwort hilft dir, den Nächsten zu halten. Und wer im Guten geht, kommt manchmal nach einem Jahr zurück. Das ist keine Rechtsberatung.

Danach brauchst du Ersatz. Den findest du in vielen Gewerken nicht in vier Wochen. Welche Wege es gibt, steht im Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk. Wir von Rheinwerk Personal sprechen dafür Fachkräfte in deinem Umkreis an, die gerade nicht suchen. Auf Wunsch rufen wir Bewerber vorab an, als Zusatzleistung. Ob das in deiner Region klappen kann, sagen wir dir. Frag kostenlos und unverbindlich an: Jetzt Mitarbeiter finden.

Häufige Fragen

Ich zahle schon über Tarif. Warum gehen trotzdem Leute?

Weil Geld meistens nicht der Auslöser ist. In Gesprächen hören wir von Fahrwegen, Planung, Notdienst, Werkzeug und dem fehlenden nächsten Schritt. Frag die, die gegangen sind, und die, die noch da sind. Die Antworten sind oft dieselben.

Lohnt sich Weiterbildung, wenn die Leute danach woanders hingehen?

Ja, wenn du vorher sagst, was danach kommt. Laut KOFA wirkt Weiterbildung vor allem in Betrieben mit klaren Entwicklungswegen. Wer den Meister macht und danach dieselbe Arbeit hat, geht. Wer danach die Bauleitung bekommt, bleibt.

Wir sind nur sechs Leute. Brauchen wir dafür überhaupt etwas Festes?

Gerade dann. In einem kleinen Betrieb fehlt jeder, der geht, besonders stark. Du brauchst dafür kein Personalbüro. Für den Anfang reichen ein Wochenplan am Freitag, ein Notdienstplan fürs Quartal und ein Gespräch im Jahr mit jedem.

Sollte ich jemandem, der gekündigt hat, ein Gegenangebot machen?

Nur wenn Geld wirklich der Grund war. Sonst gewinnst du ein paar Monate, und der eigentliche Grund bleibt. Frag zuerst, warum er geht. Kannst du den Grund abstellen, sag es. Wenn nicht, trenn dich im Guten.

Quellen

Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.

  1. KOFA Studie 4/2025: Fachkräfte finden und binden. Was Unternehmen wirklich erfolgreich macht (Institut der deutschen Wirtschaft), Stand 13.10.2026
  2. Bürgerliches Gesetzbuch § 622: Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen, Stand 13.10.2026

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