Wenn einer fehlt, arbeiten die anderen für zwei
Ein Geselle kündigt, und die Stelle bleibt offen. Die Aufträge laufen weiter, also verteilst du die Arbeit auf die, die noch da sind. Am Anfang machen alle mit, weil sie den Betrieb nicht hängen lassen wollen.
Das Problem ist nicht die eine harte Woche. Das Problem ist, wenn aus der Ausnahme der Normalfall wird und niemand sagt, wann es aufhört.
Ein Team trägt eine Lücke eine Zeit lang. Es trägt sie nicht ohne Ende.
Warnzeichen: woran du ein Team am Limit erkennst
Die meisten Warnzeichen siehst du nicht in einer Zahl, sondern im Alltag. Achte auf Veränderungen, nicht auf einzelne schlechte Tage.
Mehrstunden ohne Ende
Überstunden und Samstage sind nicht mehr die Ausnahme, sondern fest eingeplant.
Urlaub wird verschoben
Freie Tage werden abgesagt oder gar nicht erst beantragt, weil sonst nichts mehr geht.
Mehr Fehler, mehr Nacharbeit
Wer müde und in Eile arbeitet, übersieht mehr. Reklamationen und Nachbesserungen nehmen zu.
Der Ton ändert sich
Es wird gereizter oder stiller. Leute fragen nach weniger Stunden oder erzählen von Angeboten anderer Betriebe.
Ein Zeichen allein heißt noch nicht viel. Kommen zwei oder drei zusammen und halten sie über Wochen an, solltest du handeln.
Mehrstunden zählen statt schätzen
Aus dem Bauch heraus wirkt jede Woche gleich voll. Erst wenn du die Stunden aufschreibst, siehst du, ob die Last wächst. Dafür reichen die Stundenzettel, die du ohnehin hast.
| Woche | Geplant | Geleistet | Mehrstunden |
|---|---|---|---|
| Woche 1 | 4 × 40 Std. = 160 Std. | 172 Std. | 12 Std. |
| Woche 2 | 160 Std. | 178 Std. | 18 Std. |
| Woche 3 | 160 Std. | 175 Std. | 15 Std. |
| Woche 4 | 160 Std. | 181 Std. | 21 Std. |
| Summe | 4 × 160 Std. = 640 Std. | 706 Std. | 12 + 18 + 15 + 21 = 66 Std. |
- Woche 112 Std.
- Woche 218 Std.
- Woche 315 Std.
- Woche 421 Std.
Eigene Beispielrechnung mit frei gewählten Werten, Stand 18.10.2026.
In diesem frei gewählten Beispiel hat das Team in vier Wochen 66 Stunden mehr gearbeitet. Das ist mehr als eine ganze Arbeitswoche einer Person mit 40 Stunden. Und die Zahl steigt von Woche zu Woche.
Hinweis zur Arbeitszeit
Wie viele Stunden erlaubt sind und wie Mehrarbeit ausgeglichen wird, regeln Gesetz, Tarifvertrag und Arbeitsvertrag. Das ist keine Rechtsberatung. Lass dich im Zweifel von Kammer, Verband oder einem Fachanwalt beraten.
Was du sofort für dein Team tun kannst
Eine neue Person findest du nicht über Nacht. Die Last verteilen und begrenzen kannst du aber schon diese Woche.
- Aufträge sortieren: Was hat einen festen Termin, was kann warten? Sag dem Team, was Vorrang hat und was liegen bleiben darf.
- Kunden selbst anrufen: Verschiebe Termine aktiv, bevor deine Leute auf der Baustelle den Ärger abbekommen.
- Samstage begrenzen und vorher ansagen: Ein angekündigter Samstag im Monat ist etwas anderes als jeder Freitagabend eine Überraschung.
- Urlaub schützen: Genehmigter Urlaub bleibt stehen. Wer nie frei hat, kommt nicht erholt zurück.
- Büroarbeit abnehmen: Bestellungen, Aufmaß und Berichte kann jemand anders vorbereiten, damit die Fachkräfte ihre Arbeit machen können.
Wege, um die Lücke auf Zeit zu füllen, etwa mit früheren Mitarbeitern, Aushilfen oder einem Nachunternehmer, stehen im Ratgeber Kurzfristig Mitarbeiter finden.
Mit dem Team offen über die Lage reden
Dein Team weiß, dass jemand fehlt. Was es oft nicht weiß: Wie lange das noch so geht und was du dagegen tust. Genau diese Unsicherheit zehrt.
- Sag ehrlich, wie der Stand der Suche ist, auch wenn es noch keine Bewerbung gibt.
- Sag, was du bis wann ändern willst, und halte dich daran.
- Frag, wo es am meisten drückt. Deine Leute sehen auf der Baustelle Dinge, die du im Büro nicht siehst.
- Bedank dich konkret, nicht pauschal. Wer drei Samstage hintereinander da war, sollte das von dir hören.
Was langjährige Leute im Betrieb hält, steht im Ratgeber Mitarbeiterbindung im Handwerk.
Wann eine Einstellung nötig ist
Nicht jede volle Woche braucht eine neue Stelle. Die Frage ist, ob du eine Spitze erlebst oder einen Dauerzustand.
Eher eine Spitze
- Ein großer Auftrag, danach wird es ruhiger
- Mehrstunden nur in wenigen Wochen
- Das Ende ist absehbar und allen bekannt
Eher ein Dauerzustand
- Mehrstunden seit Monaten, mit steigender Tendenz
- Du sagst Aufträge ab oder schiebst sie weit nach hinten
- Die Arbeit reicht dauerhaft für eine weitere Person
Die Grenze ist nicht scharf. Entscheidend ist, was du über mehrere Monate siehst, nicht in einer Woche.
Siehst du eher einen Dauerzustand, warte nicht zu lange mit der Suche. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren offene Stellen in Handwerksberufen durchschnittlich 242 Tage unbesetzt, über alle Berufe hinweg 167 Tage. Das ist ein Durchschnitt über den ganzen Arbeitsmarkt, keine Vorhersage für deine Stelle.
Wie du zählst, welche Aufträge dir wirklich verloren gehen, steht im Ratgeber Auftragsverluste durch Personalmangel. Ob du einstellen oder bewusst kleiner bleiben willst, hilft dir der Ratgeber Mitarbeiter finden oder Aufträge ablehnen zu entscheiden.
Was die Überlastung deinen Betrieb kostet
Bezahlte Überstundenzuschläge kannst du in Euro ausdrücken. Die Zuschläge gehören in den Kostenrechner für die unbesetzte Stelle als zusätzliche Kosten. Dort rechnest du auch aus, was dir an Aufträgen oder Stunden fehlt.
Andere Folgen stehen in keiner Spalte: Müdigkeit, Fehler, Leute, die innerlich schon gehen. Rechne sie nicht schön, aber auch nicht künstlich hoch. Es reicht zu wissen, dass sie da sind.
Was du jetzt tun kannst
- Zähl vier Wochen lang die Mehrstunden deines Teams aus den Stundenzetteln.
- Leg fest, welche Aufträge Vorrang haben, und sag es dem Team.
- Sprich offen mit deinen Leuten über den Stand und deine nächsten Schritte.
- Prüf, ob du eine Spitze oder einen Dauerzustand vor dir hast.
- Ist es ein Dauerzustand, beginne jetzt mit der Suche und beschreib die Stelle genau.
Rheinwerk ist die Handwerksmarke der Lippe Personal GmbH. Wir helfen Handwerks- und Technikbetrieben, passende Fachkräfte zu erreichen und Bewerbungen für ihre offenen Stellen zu gewinnen. Wen du kennenlernst und einstellst, entscheidest du. Was wir dir zusagen, steht vorher schriftlich im Vertrag, auch zur Einstellungsgarantie.
Häufige Fragen
Wie viele Überstunden sind zu viel?
Rechtlich regeln das Gesetz, Tarifvertrag und Arbeitsvertrag, dazu ist das hier keine Rechtsberatung. Für deinen Betrieb gilt: zu viel ist es, wenn aus der Ausnahme die Regel wird und kein Ende absehbar ist. Zähl die Stunden ein paar Wochen lang, dann siehst du es.
Soll ich Überstunden auszahlen oder abfeiern lassen?
Was gilt, steht im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag. Wenn Freizeitausgleich vereinbart ist, achte darauf, dass er auch wirklich genommen werden kann. Ein Stundenkonto, das nur wächst, entlastet niemanden.
Wie lange hält ein Team so eine Lage aus?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Es hängt davon ab, wie groß die Lücke ist, ob ein Ende absehbar ist und wie offen du darüber sprichst. Achte auf die Warnzeichen auf dieser Seite statt auf einen Kalender.
Hilft eine Prämie für die Mehrarbeit?
Eine Prämie zeigt Anerkennung, und das ist viel wert. Weniger Arbeit wird es dadurch aber nicht. Wenn die Last dauerhaft zu hoch ist, brauchst du eine weitere Person oder weniger Aufträge.
Was sage ich meinem Team, wenn ich noch niemanden gefunden habe?
Die Wahrheit: wie die Suche läuft, was du bisher getan hast und was als Nächstes kommt. Versprich keinen Termin, den du nicht halten kannst. Sag lieber, was du bis wann änderst, damit es schon vorher leichter wird.
Quellen
Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.

