Warum sind Dachdecker so schwer zu finden?
Weil eine Dachdeckerstelle länger offen bleibt als in fast jedem anderen Handwerk. Die Bundesagentur für Arbeit misst, wie lange eine gemeldete Stelle nach dem gewünschten Starttermin noch offen ist. Für Dachdecker auf Gesellenebene waren es 2025 typischerweise 155 Tage, also gut fünf Monate. 2019 lagen sie noch bei 96 Tagen. Eine Maurerstelle ist nach 103 Tagen besetzt, die Dachdeckerstelle braucht gut sieben Wochen länger.
| Jahr | Tage offen über den Wunschtermin hinaus |
|---|---|
| 2019 | 96 |
| 2021 | 126 |
| 2022 | 170 |
| 2023 | 155 |
| 2024 | 166 |
| 2025 | 155 |
Auf der Engpass-Skala der Bundesagentur steht die Dachdeckerei 2025 bei 2,0 von 3. Ab 2,0 gilt ein Beruf als Engpassberuf, das Dach liegt also genau an der Schwelle. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung zählt die Dachdeckerei zu den Berufen, die seit spätestens 2017 ohne Unterbrechung betroffen sind. Die Lage wird sich also nicht mit der nächsten Baupause entspannen.
Dazu kommt die Größe des Berufs. In ganz Deutschland arbeiten 39.395 Dachdecker als Fachkraft in Vollzeit, 38.390 davon in Betrieben des Baugewerbes (Entgeltatlas, Stand 12/2025). Das ist ein kleiner Kreis. Viele kennen sich von Baustellen, aus der Berufsschule und aus der Innung. Wer wechselt, fragt vorher herum. Dein Ruf als Betrieb ist in diesem Kreis schneller bekannt als deine Anzeige.

Welche Wege bringen dir wirklich Leute?
Die Wege sind dieselben wie in jedem Handwerk. Beim Dach wirken sie aber anders, weil der Kreis klein ist und fast alle Fachkräfte eine feste Stelle haben. Die Tabelle ist eine Einschätzung aus der Praxis, keine Messung. Für Dachdecker gibt es keine belastbare Quelle zu Erfolgsquoten je Weg. Deshalb steht hier keine.
| Weg | Dein Aufwand | Wen du erreichst | Eignung beim Dach |
|---|---|---|---|
| Anzeige in Zeitung, Jobbörse, am Firmenwagen | gering | nur Suchende | für Helfer gut, für Gesellen schwach |
| Jobbörse der Arbeitsagentur | gering, kostenfrei | arbeitsuchend Gemeldete | Helfer und Wiedereinsteiger |
| Jobbörsen der Dachdeckerverbände und Innungen | gering | Leute aus dem Fach, die suchen | gut als Ergänzung |
| Empfehlung aus der eigenen Kolonne | gering, Prämie | Bekannte deiner Leute | sehr gut, wenn die Stimmung stimmt |
| Quereinsteiger, etwa aus der Photovoltaik-Montage | hoch, Einarbeitung | Leute mit Höhenerfahrung ohne Gesellenbrief | gut für Betriebe mit Zeit zum Anlernen |
| Ansprache über soziale Netzwerke | hoch, wenn selbst gemacht | auch Gesellen, die nicht suchen | gut im Umkreis deines Betriebs |
| Direktansprache | hoch | einzelne Vorarbeiter und Meister | für Führungsstellen oft der einzige Weg |
| Gezielte Mitarbeitersuche | gering | auch Leute, die nicht suchen | Stellen, die seit Monaten offen sind |
Zwei Wege sind beim Dach wichtiger als anderswo. Der erste ist die Empfehlung. Ein Geselle, der seit Jahren mit dir aufs Dach steigt, weiß, wer in der Gegend gut ist und wer unzufrieden. Sag ihm, wen du genau suchst, und zahl die Prämie in zwei Teilen, bei Arbeitsbeginn und nach der Probezeit.
Der zweite ist die Photovoltaik. Viele Montagebetriebe arbeiten mit Leuten ohne Dachdeckerausbildung. Sie sind schwindelfrei und kennen Dachflächen. Bei Abdichtung und Anschlüssen kommen sie aber nicht weiter. Für sie ist ein Dachdeckerbetrieb mit Solar und Abdichtung ein Aufstieg. Ob die Handwerkskammer ihre Erfahrung feststellen und bescheinigen kann, regelt § 41b der Handwerksordnung. Was dafür gilt, steht im Ratgeber Mitarbeiter finden im Handwerk unter Quereinsteiger.
Wie die Ansprache über Facebook und Instagram abläuft und woran sie meistens scheitert, steht auf der Seite Social Recruiting für Handwerksbetriebe. Für einzelne Vorarbeiter und Meister ist die Direktansprache der passendere Weg.
Wann im Jahr du Dachdecker suchst
Beim Dach entscheidet der Kalender mit, ob jemand wechselt. Vom 1. Dezember bis zum 31. März gilt die gesetzliche Schlechtwetterzeit. In dieser Zeit können Beschäftigte von Baubetrieben Saison-Kurzarbeitergeld bekommen. Das gilt, wenn Frost, Schnee oder Regen die Arbeit verhindern (§ 101 Sozialgesetzbuch III). Für einen Gesellen heißt ein Winter in Kurzarbeit weniger Geld. Genau das ist für viele der Anlass, sich umzusehen.
- Herbst: Wer mit einem Winter in Kurzarbeit rechnet, schaut sich jetzt um. Hast du Reparaturen, Innenarbeiten und ein Arbeitszeitkonto, ist das jetzt dein stärkstes Argument.
- Winter: Die Kolonnen stehen öfter, die Leute haben Zeit, ein Gespräch zu führen. Zum Wechseln ist der Zeitpunkt günstig. Kein laufendes Objekt steht im Weg.
- Frühjahr: Jetzt brauchst du die Leute. Suchst du erst im März, kommen Kündigungsfrist und Vakanzzeit dazu. Die Saison ist dann halb vorbei, bevor der Neue auf dem Dach steht.
- Sommer: Volle Auftragsbücher, wenig Zeit für Gespräche auf beiden Seiten. Gut für Empfehlungen, schwer für alles, was einen Termin braucht.
Was das für deine Planung heißt
Rechne vom ersten Saisontag rückwärts. Typisch sind rund fünf Monate Vakanzzeit, dazu die Kündigungsfrist deines künftigen Gesellen. Brauchst du im April eine volle Kolonne, fängst du im Herbst des Vorjahres an. Wie lange es in anderen Gewerken dauert, zeigt der Ratgeber wie lange eine Stellenbesetzung dauert. Das ist keine Rechtsberatung zum Saison-Kurzarbeitergeld.
Was ein Dachdecker verdient
In der Mitte verdient ein Dachdecker in Vollzeit 3.783 € brutto im Monat. Ein Viertel liegt unter 3.297 €, ein Viertel über 4.277 € (Entgeltatlas, Stand 12/2025). Für Gesellen gilt seit dem 1. Januar 2026 ein Branchenmindestlohn von 16,60 € je Stunde. Die Spanne ist eng, weil fast alle Dachdecker im Baugewerbe arbeiten. Kaum eine Industrie lockt sie mit höherem Lohn.
Entscheidend ist dein Bundesland. In Nordrhein-Westfalen liegt die Mitte bei 4.029 €, in Sachsen bei 3.095 €. Bietest du in Düsseldorf den Bundeswert, liegst du unter dem, was die Hälfte der Dachdecker in Nordrhein-Westfalen verdient. Die Werte aller Länder und den Mindestlohn bis 2028 findest du im Ratgeber Gehalt Dachdecker.
Beim Lohn sind sich die Betriebe sehr ähnlich. Mit 100 € mehr gewinnst du deshalb selten einen Gesellen. Du gewinnst ihn mit dem, was beim Nachbarbetrieb fehlt. Das ist eine feste Kolonne und ein Aufzug statt Ziegel auf der Schulter. Oder ein Winter ohne Kurzarbeit und Baustellen in Fahrweite.
Was in die Stellenanzeige gehört
Die meisten Dachdeckeranzeigen verlangen „körperliche Belastbarkeit“ und „Teamfähigkeit“. Das weiß jeder Dachdecker selbst. Vor dem ersten Anruf will er diese Punkte wissen:
- Lohn als Zahl. Stundenlohn oder Monatslohn, dazu, ob es einen festen Monatslohn über das Jahr gibt.
- Der Winter. Arbeitszeitkonto, Reparaturen und Innenarbeiten oder Saison-Kurzarbeit. Das ist beim Dach die wichtigste Zeile der Anzeige.
- Die Kolonne. Wie viele Leute, wer führt, wie lange arbeiten sie schon zusammen. Auf dem Dach verlässt man sich blind aufeinander. Deshalb zählt die Antwort mehr als jedes Leitbild.
- Steildach, Flachdach oder beides. Und ob jemand, der nur Steildach kann, Abdichtung bei dir lernen darf.
- Höhe und Sicherheit. Schwindelfreiheit gehört in die Anforderungen. Die Ausrüstung gehört ins Angebot: Gerüst, Anschlagpunkte, Schutzausrüstung, Aufzug oder Kran.
- Die Fahrten. Baustellen im Umkreis oder Montagewochen, Fahrt im Firmenfahrzeug ab Hof oder ab Wohnort.
- Photovoltaik. Wenn du sie machst, sag es. Für viele jüngere Dachdecker ist das der Grund, sich bei dir zu melden.
Eine Vorlage für die ganze Anzeige, auch für Dachdecker, steht im Ratgeber Stellenanzeigen im Handwerk. Versprich in Anzeige und Gespräch nur, was stimmt. Merkt ein Geselle, dass der Winter anders läuft als versprochen, ist er im März wieder weg.
Vorarbeiter und Meister: die schwerste Stelle
Einen Gesellen findest du mit Geduld. Einen Vorarbeiter für Aufmaß, Kolonne und Kundengespräch findest du kaum über eine Anzeige. Wer das kann, hat in seinem Betrieb eine feste Stellung. Die gibt er nicht für eine Anzeige auf.
Beim Meister kommt der Lohn dazu. Die Bundesagentur ordnet Dachdeckermeister den Aufsichtskräften im Hochbau zu. Dort liegt die Mitte bei 5.408 € im Monat. Viele Meister wechseln nicht in einen anderen Dachdeckerbetrieb. Sie machen sich selbstständig oder gehen in die Bauleitung eines größeren Unternehmens. Was diese Rolle verlangt und wie wir dort suchen, steht auf der Seite Bauleiter finden. Für die Führung der Kolonne im Rohbau und Tiefbau gibt es die Seite Polier finden.
Für beide Stellen gilt: Sprich die Leute einzeln an, diskret und mit einem konkreten Angebot. Eine öffentliche Anzeige „Vorarbeiter gesucht“ liest im kleinen Kreis der Dachdecker auch dein jetziger Vorarbeiter.
Wann sich eine gezielte Mitarbeitersuche lohnt
Eine gezielte Mitarbeitersuche kostet mehr als eine Anzeige. Ob sich das rechnet, hängt daran, was dich die offene Stelle kostet. Etwa Aufträge, die du nicht annimmst, oder Überstunden der Kolonne. Oder ein Objekt, das in den Herbst rutscht. Wie du das für deinen Betrieb ausrechnest, steht im Ratgeber Was eine unbesetzte Stelle kostet.
- Lohnt sich eher, wenn die Stelle seit Monaten offen ist oder eine zweite Kolonne an einer Person hängt. Auch wenn du einen Vorarbeiter oder Meister brauchst. Oder wenn dir für Sortieren und Nachtelefonieren die Zeit fehlt.
- Lohnt sich eher nicht, wenn dein Lohn unter dem unteren Viertel deines Bundeslandes liegt. Dann findet auch eine gezielte Suche niemanden, der bleibt. Ebenso wenig für eine Aushilfe über drei Sommermonate. Oder wenn deine Leute dir gerade selbst zwei Kandidaten empfohlen haben.
So arbeiten wir: Wir sprechen Dachdecker an, die gerade nicht suchen. Das passiert über soziale Netzwerke und direkt, in deinem Namen. Wir suchen im Umkreis von 25 Kilometern um deinen Betrieb. Bevor du jemanden kennenlernst, fragen wir ab: Höhentauglichkeit, Erfahrung mit Schutzausrüstung, Steil- oder Flachdach. Was die Personalsuche kostet, hängt an Beruf, Region und Zahl der Stellen. Wovon genau, steht unter Kosten. Wenn wir in deiner Region Potenzial sehen, sagen wir eine Einstellungsgarantie schriftlich im Vertrag zu. Nicht jeder Betrieb bekommt sie, und wenn wir kein Potenzial sehen, sagen wir ab.
Ein Fall aus der Praxis: drei Gesellen in Hagen
Der Dachdeckerbetrieb von Maik Kötter in Hagen suchte Gesellen. Eingestellt wurden laut Maik Kötter drei Dachdeckergesellen, Kampagne August 2023. Nach acht Tagen konnte Maik Kötter die Anzeigen stoppen, so sagt er es im Video. Die Werbekosten lagen bei 249,36 € bei 10.284 Sichtkontakten.
Wie du den Fall lesen solltest
Ein einzelner Fall ist kein Durchschnitt und kein Versprechen. Der Fall zeigt etwas anderes. Auch bei typischerweise 155 Tagen Vakanzzeit gibt es Gesellen, die wechseln wollen. Man erreicht sie nur nicht über eine Anzeige, denn die lesen sie nie. Die Zahlen im Einzelnen stehen auf der Seite Dachdeckerbetrieb Kötter.
Ob es in deiner Region genug Dachdecker für deine Stelle gibt, klären wir im ersten Gespräch. Es dauert 15 Minuten. Wie wir für Dachdeckerbetriebe suchen, steht auf der Seite Dachdecker einstellen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, einen Dachdecker zu finden?
Eine gemeldete Dachdeckerstelle bleibt typischerweise 155 Tage über den Wunschtermin hinaus offen (Median, Stand 12/2025). Dazu kommt die Kündigungsfrist des neuen Gesellen. Wer im Frühjahr eine volle Kolonne braucht, beginnt am besten im Herbst.
Lohnt sich eine Anzeige für Dachdecker überhaupt noch?
Für Helfer und Wiedereinsteiger ja. Für Gesellen und Vorarbeiter reicht sie selten. Die meisten haben eine feste Kolonne und lesen keine Anzeigen. Schalte sie trotzdem, aber verlass dich nicht allein darauf.
Wie viel muss ich einem Dachdeckergesellen zahlen?
Mindestens den Branchenmindestlohn von 16,60 € je Stunde (seit 01.01.2026). Willst du jemanden aus einer festen Stelle holen, orientier dich am Medianwert deines Bundeslandes. In Nordrhein-Westfalen sind das 4.029 € im Monat, bundesweit 3.783 € (Entgeltatlas, Stand 12/2025).
Soll ich im Winter überhaupt Dachdecker einstellen?
Ja, wenn du Arbeit für den Winter hast. Gesellen, die mit Kurzarbeit rechnen, sehen sich im Herbst und Winter um. Stellst du dann ein und kannst sagen, wie die kalten Monate laufen, steht im Frühjahr deine Kolonne.
Kann ich Photovoltaik-Monteure als Dachdecker einsetzen?
Für Montagearbeiten oft ja, für Abdichtung und Anschlüsse brauchen sie Anleitung. Viele sind schwindelfrei und kennen Dachflächen. Plane eine Einarbeitung ein. Kläre mit deiner Handwerkskammer, ob sich ihre Erfahrung später anerkennen lässt.
Wie finde ich einen Vorarbeiter für das Dach?
Kaum über eine öffentliche Anzeige. Gute Vorarbeiter werden in ihrem Betrieb gebraucht und suchen nicht. Der Weg führt über Empfehlungen und diskrete, einzelne Ansprache. Mach ein konkretes Angebot zu Lohn, Kolonne und Verantwortung.
Quellen
Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 und Zeitreihe ab 2019, Berufsuntergruppen 3214 Dachdeckerei und 3212 Maurerhandwerk (Vakanzzeit als Median, Engpasswert), Stand 12/2025
- Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Berufsgattung 32142 Berufe in der Dachdeckerei, Fachkraft, bundesweit und nach Bundesland, Stand 31.12.2025
- TV Mindestlohn im Dachdeckerhandwerk vom 2. Oktober 2025 (Anlage zur 13. DachdArbbV), Stand 13.10.2026
- Sozialgesetzbuch III, § 101 Saison-Kurzarbeitergeld (Schlechtwetterzeit), Stand 13.10.2026
- KOFA Kompakt 7/2026: Fachkräftesicherung im Handwerk (Institut der deutschen Wirtschaft), Stand 06/2026

