Warum finden Höfe so schwer Mitarbeiter?
Weil der Kreis klein ist. Und weil die meisten Arbeitskräfte auf den Höfen keine festen Angestellten sind. Nach der jüngsten Agrarstrukturerhebung des Statistischen Bundesamts arbeiteten 875.900 Menschen in der deutschen Landwirtschaft. 398.300 davon waren Familienangehörige, 242.800 Saisonkräfte und nur 234.800 ständige Arbeitskräfte. Für eine feste Stelle suchst du also in gut einem Viertel des Ganzen.
Wie alt diese Zahlen sind
Die Agrarstrukturerhebung läuft nicht jedes Jahr. Die Werte stammen aus dem Durchgang 2023 und haben den Stand 3. Mai 2024, sind also gut zwei Jahre alt. Am 13.10.2026 war das noch immer die jüngste veröffentlichte Erhebung. Die Größenordnung stimmt. Die genaue Zahl kann sich seitdem verschoben haben.
Die Bundesagentur für Arbeit führt Fachkräfte in Landwirtschaft und Nutztierhaltung seit 2019 jedes Jahr als Engpassberuf. Am deutlichsten zeigt sich das im Stall. 2019 war eine gemeldete Stelle in der Nutztierhaltung typischerweise nach 71 Tagen besetzt. 2025 dauerte es 110 Tage.
| Berufsgruppe | Engpasswert 2025 (Skala bis 3) | Vakanzzeit 2019 | Vakanzzeit 2025 |
|---|---|---|---|
| Landwirtschaft, ohne Spezialisierung (1110) | 2,3 | 73 Tage | 81 Tage |
| Nutztierhaltung (1121) | 2,2 | 71 Tage | 110 Tage |
Hinzu kommt, was ein Hof von einem Handwerksbetrieb unterscheidet. Die Arbeitszeit hängt an Tier und Wetter, nicht an einem Kalender. Der Arbeitsplatz ist oft auch der Wohnort, und der Chef wohnt mit seiner Familie im selben Haus. Auf 255.010 Betriebe kommen rechnerisch weniger feste Arbeitskräfte als Betriebe. Wer geht, fehlt nicht nur in einer Kolonne. Er fehlt dem ganzen Hof.

Wen suchst du: Stall, Acker oder Werkstatt?
Tier und Acker sind zwei Arbeitswelten mit verschiedenen Tagesabläufen. Wer Kühe kann, kann nicht automatisch Mähdrescher fahren. Das gilt auch umgekehrt. Bevor du suchst, leg fest, wo die neue Person in den meisten Wochen des Jahres steht.
- Stall: Tierwirt, Melker, Herdenmanager. Morgens und abends gemolken, an jedem Tag im Jahr. Hier entscheidet der Wochenendturnus, ob jemand zusagt.
- Acker: Landwirt, Schlepperfahrer. Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenschutz, Ernte. Lange Tage im Sommer, ruhigere Wochen im Winter.
- Werkstatt: Land- und Baumaschinenmechatroniker. Ein eigener Arbeitsmarkt. Hier willst du dieselben Leute wie Landtechnikhändler und Lohnunternehmen.
- Leitung: Betriebsleiter oder Herdenmanager mit Verantwortung für einen ganzen Bereich. Für diese Stelle wechselt jemand selten wegen einer Anzeige.
- Spezialbereiche: Biogas, Gewächshaus, Direktvermarktung. Hier passen auch Leute aus Technik oder Handel. Sie müssen vom Hof nichts wissen.
Für die Werkstatt liegt der Lohn deutlich höher als im Stall, dazu unten mehr. Suchst du einen Mechatroniker, biete deshalb nicht den Lohn eines Tierwirts. Für Leute aus dem Kfz-Bereich, die zurück aufs Land wollen, kann die Landtechnik ein Weg sein.
Saisonkraft oder feste Stelle: die Statistik
In der Landwirtschaft arbeiten mehr Saisonkräfte als ständige Arbeitskräfte, 242.800 gegen 234.800. Umgerechnet auf volle Stellen leisten die Saisonkräfte aber nur 54.400 Vollzeiteinheiten, die ständigen Arbeitskräfte 174.500. Eine Saisonkraft arbeitet im Schnitt also nur einen Bruchteil des Jahres auf dem Hof.
| Art | Deutschland, Personen | Deutschland, Vollzeiteinheiten | Nordrhein-Westfalen, Personen |
|---|---|---|---|
| Alle Arbeitskräfte | 875.900 | 457.200 | 117.200 |
| Familienarbeitskräfte | 398.300 | 228.200 | 51.700 |
| Ständige Arbeitskräfte | 234.800 | 174.500 | 27.700 |
| Saisonarbeitskräfte | 242.800 | 54.400 | 37.800 |
Für deine Suche heißt das zweierlei. Erstens: Saisonkräfte für Ernte und Pflanzung sind eine eigene Suche. Eine feste Kraft für das ganze Jahr ist eine andere, mit anderen Wegen. Wer beides in einer Anzeige anbietet, erreicht keinen richtig. Zweitens: Unter deinen Saisonkräften ist manchmal jemand, der bleiben würde. Du musst ihn nur fragen. Frag vor dem Ende der Saison, nicht danach.
Für die feste Stelle gibt es einen günstigen Zeitpunkt: Spätherbst und Winter. Dann ist die Ernte eingefahren. Auch auf anderen Höfen bleibt dann Zeit für ein Gespräch. Im Juni steigt niemand vom Schlepper, um zu reden. Was bei Saisonarbeit rechtlich gilt, ist eine eigene Frage. Dieser Ratgeber beschreibt nur die Praxis.
Welche Wege bringen Höfen neue Mitarbeiter?
Auf dem Land kennt man sich. Das macht manche Wege stärker als in der Stadt und andere schwächer. Die Tabelle ist eine Einschätzung aus der Praxis. Eine gemessene Dauer je Weg gibt es nicht.
| Weg | Dein Aufwand | Eignet sich für |
|---|---|---|
| Empfehlung aus Nachbarschaft, Familie und Berufskollegen | gering | jede Stelle; auf dem Land oft der stärkste Weg |
| Berufsschule, Fachschule, Ausbildungsbetrieb | mittel | junge Fachkräfte nach der Ausbildung |
| Saisonkräfte, die bleiben wollen | gering | Stall und Acker, wenn jemand die Arbeit schon kennt |
| Anzeige auf Agrar- und allgemeinen Jobbörsen | gering bis mittel | Helfer, Schlepperfahrer in der Saison |
| Jobbörse der Arbeitsagentur | gering, kostenfrei | Helfer und Wiedereinsteiger |
| Ansprache über soziale Netzwerke | hoch, wenn du es selbst machst | Tierwirte und Landwirte im Umkreis, die nicht aktiv suchen |
| Direktansprache | hoch, vor allem Zeit | Herdenmanager, Betriebsleiter, Mechatroniker |
| Gezielte Mitarbeitersuche | gering | feste Stellen, die seit Monaten offen sind |
Die Empfehlung ist hier mehr wert als irgendwo sonst. Sie hat aber eine Grenze. Wer auf dem Nachbarhof gut arbeitet, wird dort gebraucht. Offenes Abwerben verträgt sich schlecht mit guter Nachbarschaft. Und Leute von weiter weg, die aufs Land wollen, erreichst du so selten.
Der Weg, der am längsten dauert, ist die Ausbildung. Wer selbst ausbildet, kennt seine Leute nach drei Jahren besser als nach jedem Gespräch. Wie du an Auszubildende kommst, steht im Ratgeber Azubis finden. Er gilt für Höfe genauso wie für Handwerksbetriebe.
Was verdienen Landwirte, Tierwirte und Mechatroniker?
Eine Fachkraft in der Landwirtschaft verdient in Vollzeit in der Mitte 2.917 € brutto im Monat. In der Nutztierhaltung sind es 2.710 € (Entgeltatlas, Stand 12/2025). In der Werkstatt sieht es anders aus. Ein Land- und Baumaschinenmechatroniker verdient auf Höfen selbst 3.083 €, über alle Arbeitgeber 3.720 €. Mit diesem Abstand rechnest du, wenn du einen für die Hofwerkstatt suchst.
| Beruf | Mitte | Unteres bis oberes Viertel | Beschäftigte in Vollzeit |
|---|---|---|---|
| Landwirtschaft, ohne Spezialisierung | 2.917 € | 2.542 bis 3.417 € | 23.633 |
| Nutztierhaltung | 2.710 € | 2.441 bis 3.067 € | 7.894 |
| Land- und Baumaschinentechnik | 3.720 € | 3.189 bis 4.396 € | 31.543 |
Die Spannen im Stall und auf dem Acker sind eng. Über ein paar hundert Euro gewinnst du selten jemanden aus einer festen Stelle. Auf dem Hof zählt oft mehr, was nicht auf der Abrechnung steht. Das ist ein freies Wochenende im Turnus und eine Wohnung, die man vorzeigen kann. Dazu kommen moderne Technik und ein Bereich, den man allein verantwortet. Wie sich die Löhne anderer Berufe verteilen, zeigt der Ratgeber Gehälter im Handwerk.
Was gehört in ein Stellenangebot für den Hof?
„Mitarbeiter für landwirtschaftlichen Betrieb gesucht“ reicht nicht. Ein Tierwirt oder Schlepperfahrer hat vor dem ersten Anruf Fragen. Dieser Satz beantwortet keine davon. Diese Punkte gehören hinein:
- Der Betrieb in Zahlen. Milchvieh, Schweine, Ackerbau, Gemüse, Biogas, und wie groß. Wer eine kleine Herde gewohnt ist, will wissen, wie groß deine ist.
- Die Arbeitszeit. Wann die erste Melkzeit beginnt und wie der Tag geteilt ist. Wie lang die Tage in der Ernte werden und wie die Stunden danach ausgeglichen werden.
- Das Wochenende. Welcher Turnus, und wer vertritt. Das ist im Stall die wichtigste Zeile.
- Die Technik. Melkroboter oder Melkstand, Lenksystem, Herdenprogramm. Wer damit arbeitet, will nicht zurück.
- Die Wohnung. Ob es eine gibt, wie groß, und ob sie zur Stelle gehört. Ein Foto sagt hier mehr als jede Beschreibung.
- Der Lohn. Als Zahl, und was zusätzlich dazugehört.
- Die Verantwortung. Welcher Bereich nach der Einarbeitung allein bei der neuen Person liegt.
Wie eine Anzeige im Ganzen aufgebaut ist, steht im Ratgeber Stellenanzeige schreiben. Was dort für Handwerksbetriebe steht, gilt auch für den Hof. Mit einem Zusatz: Lade jeden ernsthaften Bewerber zu einem Probetag ein. Ob Zusammenleben und Zusammenarbeit klappen, merkt man auf dem Hof, nicht am Telefon.
Wann lohnt sich eine gezielte Mitarbeitersuche für Höfe?
Eine gezielte Mitarbeitersuche lohnt sich, wenn die offene Stelle dich mehr kostet als die Suche. Auf dem Hof heißt das meist: Der Betriebsleiter melkt selbst jeden Morgen und jeden Abend. Oder die Erweiterung des Stalls ruht. Oder die Lohnarbeit für Nachbarbetriebe fällt weg. Wie du die Kosten einer offenen Stelle ausrechnest, steht im Ratgeber was eine unbesetzte Stelle kostet.
- Lohnt sich eher für feste Stellen im Stall, für Herdenmanager, Betriebsleiter und Landmaschinenmechatroniker. Und wenn die Stelle seit Monaten offen ist.
- Lohnt sich eher nicht für Saisonkräfte in der Ernte. Dafür gibt es eigene Wege, und eine gezielte Mitarbeitersuche für wenige Wochen rechnet sich selten.
- Lohnt sich nicht, wenn Wochenendturnus, Wohnung und Arbeitszeiten offen bleiben sollen. Dann sagen die Leute nach dem Probetag ab.
Was die Personalsuche kostet und wovon es abhängt, steht unter Kosten. Wenn wir Potenzial sehen, sagen wir dir eine Einstellungsgarantie schriftlich zu. Nicht jeder Betrieb bekommt sie. Ob sie möglich ist, hängt an deiner Region und am Gehalt. Und daran, was du sonst bietest.
Auf dem Land sprechen wir Tierwirte, Landwirte und Mechatroniker an, die gerade nicht suchen. Das passiert in deinem Namen, über soziale Netzwerke und direkt. Wir suchen im Umkreis von 25 Kilometern um deinen Hof. Bevor du jemanden kennenlernst, fragen wir ab: Passen Melkzeiten, Wochenende, Wohnung und Führerschein? Einen eigenen Fall aus der Landwirtschaft können wir hier noch nicht zeigen. Ob es in deiner Gegend genug Leute gibt, klären wir im ersten Gespräch. Es dauert 15 Minuten. Wie wir für Höfe suchen, steht auf der Seite Personal für die Landwirtschaft.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, einen Mitarbeiter für die Landwirtschaft zu finden?
Eine gemeldete Fachkraftstelle in der Nutztierhaltung bleibt typischerweise 110 Tage über den Wunschtermin hinaus offen. In der Landwirtschaft ohne Spezialisierung sind es 81 Tage (Median, Stand 12/2025). Dazu kommt die Kündigungsfrist der neuen Kraft.
Wann sollte ich eine feste Stelle auf dem Hof ausschreiben?
Am besten im Spätherbst oder Winter. Dann ist die Ernte vorbei, und auch auf anderen Höfen ist Zeit für ein Gespräch. Wer wechselt, kann zum Frühjahr anfangen.
Was verdient ein Tierwirt oder Landwirt?
Eine Fachkraft in der Landwirtschaft verdient in Vollzeit in der Mitte 2.917 € brutto im Monat. In der Nutztierhaltung sind es 2.710 € (Entgeltatlas, Stand 12/2025). Land- und Baumaschinenmechatroniker liegen auf Höfen selbst bei 3.083 €, über alle Arbeitgeber bei 3.720 €.
Hilft eine Wohnung auf dem Hof bei der Suche?
Oft ja, wenn du sie zeigst. Für manche ist sie der Grund zuzusagen, für andere ein Grund abzusagen. Zeig ein Foto in der Anzeige. Und sag klar, ob sie zur Stelle gehört.
Kann ich aus Saisonkräften feste Mitarbeiter machen?
Manchmal ja. Das ist einer der einfachsten Wege, denn du hast die Person schon arbeiten sehen. Frag vor dem Ende der Saison, wer bleiben würde. Biete dann eine feste Stelle mit klaren Zeiten an.
Unser Hof liegt weit draußen. Findet sich dafür überhaupt jemand?
Ja, aber nicht jeder. Wer aufs Land will, sucht genau das. Wohnung, Anfahrt und Führerschein müssen passen. Kläre das vor dem ersten Gespräch.
Quellen
Jede Zahl auf dieser Seite hat eine Quelle. Hier steht, welche, mit Stand.
- Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Fachkräfteengpassanalyse 2025 und Zeitreihe ab 2019, Berufsuntergruppen 1110 Landwirtschaft und 1121 Nutztierhaltung (Engpasswert, Vakanzzeit als Median), Stand 12/2025
- Statistisches Bundesamt, Agrarstrukturerhebung 2023, Arbeitskräfte in landwirtschaftlichen Betrieben nach Bundesländern, Stand 05/2024
- Statistisches Bundesamt, Landwirtschaftliche Betriebe, Stand 05/2024
- Bundesagentur für Arbeit, Entgeltatlas, Berufsgattungen 11102, 11212 und 25222, Fachkraft, Deutschland, auch Wirtschaftszweig Land- und Forstwirtschaft, Stand 31.12.2025

